Ist Open Source der Heilsbringer für Unternehmen?

Qualität, Innovation und Flexibilität: Die Erfolgstreiber von Open Source

Der Siegeszug von Open Source-Software setzt sich weiter fort

Noch nie wurden „freie“ Software-Lösungen derart häufig eingesetzt wie heute. Betrug ihr Marktanteil 2006 noch etwa 10 Prozent, war im vergangenen Jahr laut einer Gartner-Prognose bereits jede dritte von Unternehmen genutzte Software quelltextoffen. Qualitativ – so zeigen diverse Studien – liegt Open Source-Software mittlerweile gleichauf mit proprietärer Software. Demnach erstaunt es kaum, dass es diese Qualität in Verbindung mit dem Innovationsgrad und der Flexibilität ist, die immer mehr Unternehmen dazu bewegt, auf „freie Software“ zurückzugreifen.

 Was ist Open Source?

Open Source meint dabei zunächst einmal, dass der Quelltext der entsprechenden Lösungen für Anwender offen einsehbar und zudem veränderbar ist (siehe auch Definition der Open Source Initiative). Unternehmen können Open Source-Anwendungen damit besser an ihre Anforderungen anpassen, erweitern und generell entlang ihrer Bedürfnisse weiterentwickeln. Für zahlreiche Lösungen haben sich sogar Anwender- und Entwickler-Communities gegründet. Dank des offenen Quelltextes werden hier Verbesserungen gemeinsam umgesetzt, Add-ons oder Schnittstellen entwickelt. Alles Aspekte, die zum genannten hohen Innovationsgrad der Open Source-Software führen, sowie die ebenso hohe Flexibilität begründen und die bei proprietärer Software undenkbar sind.

Unterschiedliche Lizenzen

Doch auch Open Source kommt nicht ohne Lizenzen aus: Sie definieren den rechtlichen Rahmen, der bei der Nutzung quelltextoffener Lösungen – insbesondere im Hinblick auf die Veränderung am Code – zu beachten ist. Richtig, Lizenzmodelle gibt es auch bei proprietärer Software. Im Bereich Open Source schaffen Lizenzen aber vor allem Rechtssicherheit für die Anwender. Ein wichtiger Punkt – gerade für den Einsatz der Lösungen in Unternehmen. Durch klare Bestimmungen werden Copyright-Streitigkeiten vermieden. Bekannte Lizenzen sind die Apache License 2.0, GNU General Public License (GPL), GNU Lesser General Public License (LGPL) und die MIT License.

Open Source verknüpft! Die Unterschiede stecken im Detail: Beispielsweise erlaubt es die Apache 2.0-Lizenz, den Quell-Code zu verändern. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Copyright-Vermerke im Code erhalten bleiben. Ähnlich verhält es sich bei der GPL. Allerdings muss hier der geänderte Code ebenfalls unter die Lizenz gestellt und somit auch veröffentlicht werden. Kommerzielle Anbieter von Open Source-gestützter Software favorisieren daher bei Code-Änderungen die Apache 2.0-Lizenz. In den Lizenzbedingungen der Lösungen geben sie zudem die Open Source-Module an, die von der Software verwendet werden. Daraus folgt, dass es sich auch nur bei Teilen einer Software um Open Source handeln kann, während andere Bestandteile nicht quelltextoffen sind. Die genaue Angabe der entsprechenden Module erfolgt meist in einer Readme-Datei oder separaten Lizenz-Datei. Nähere Einblicke in die rechtlichen Grundlagen von Open Source-Software liefert der BITKOM in einem ausführlichen Leitfaden, auf dem wir an dieser Stelle verweisen möchten.

Auch bei Software-Anbietern immer beliebter

So gibt es ganze Software-Systeme, die unter Open Source-Lizenz stehen. Gerade bei vielen CMS-, CRM- oder Projektmanagementsystemen ist dies der Fall. Die häufigsten Open Source-Projekte widmen sich jedoch Lösungsmodulen, die dann erst in andere Software integriert werden müssen. Hatten sich zunächst private Anwender mit der Entwicklung solcher Open Source-Software beschäftigt, gehen immer mehr Software-Anbieter dazu über, ihre Anwendungen oder Lösungsmodule unter Open Source zu stellen und weiterzuentwickeln. Einnahmen erzielen sie hier zumeist über Support-Dienstleistungen wie Installation oder Wartung der Open Source-Software, denn genau hier entstehen die Folgekosten, die mit dem Einsatz „freier Software“ verbunden sind. Schließlich bedeutet frei in diesem Zusammenhang nicht umsonst.

Open Source bei GBS

Wir verwenden Open Source-Lösungen als sinnvolle Ergänzung in unseren Produkten.

Beispielsweise den JBoss Application Server als Anwendungsserver für GBS Workflow, das Dojo Toolkit oder jQuery als Komponenten für die Erstellung von Benutzerschnittstellen oder die Kryptographie-API BouncyCastle für den iQ.Suite KeyManager. Auch einige Projekte der Apache Software Foundation sind mittlerweile als fester Bestandteil in einigen unserer Lösungen integriert.

Wir sind zudem Mitglied der OpenNTF. Ziel der Non-Profit-Organisation ist es, eine Community aufzubauen, die Open Source-Anwendungen schwerpunktmäßig für die IBM Notes/Domino- und IBM Connections-Plattformen bereitstellt. In der OpenNTF sind einige unserer Mitarbeiter als Contributors beziehungsweise Committers von Projekten engagiert. Eines der von GBS PAVONE in diesem Rahmen veröffentlichten Projekte wurde 2010 sogar mit dem Lotus Award prämiert. Schließlich können wir als Software-Anbieter nicht immer warten, bis die Open Source-Communities – darunter auch Sourceforge und GitHub – benötigte Lösungen oder Module liefern. Daher unterstützen wir die Communities nicht nur aktiv, sondern widmen uns auch selbst der Weiterentwicklung von Open Source-Anwendungen.

geschrieben von: Dr. Rolf Kremer

Dr. Rolf Kremer

Dr. Rolf Kremer ist VP R&D Europe bei GBS und verantwortet die Bereiche Produktentwicklung, Qualitätssicherung und Technische Dokumentation.

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